Alter Schwede!

Posted on 18. Mai 2011

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Der Recycling-Kreislauf braucht ständig frische Fasern, da jede Faser nur ca. 3x recycelt werden kann. Danach hat sie sich aufgelöst. Vom 04.05. bis 06.05. war ich zu Besuch bei der Firma Iggesund in Iggesund Nordschweden, 300km nördlich von Stockholm gelegen. Hier war eine Werksbesichtigung geplant. Ich genoss nicht nur herzliche und großzügige Gastfreundschaft, sondern auch eine hoch interessante Lehrstunde in Sachen Nachhaltigkeit. Die super freundlichen und entspannt wirkenden Schweden stellen so einiges auf die Beine. Iggesund ist ein großes Zellstoff und Pappe produzierendes Werk. Es gehört zu einen Firmenverband namens Holmen. Dieser besteht aus dem weiteren Firmenkomplex, Energie, Sägewerk und aus „Forsten“.

Es handelt sich um einen industriellen Konzern, bei dem man sich fragt, was dieser mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben könnte. Nicht nur die Verantwortlichen, sondern jeder einzelne Mitarbeiter strahlte Stolz und Zufriedenheit auf ihr Tun und ihr Unternehmen aus.

Der Produktionsprozess beginnt Naturgemäß mit dem Holzeinschlag – oder beginnt er mit dem Aufforsten? Huhn oder Ei? Das mag jeder für sich entscheiden. Ich beginne jedenfalls mal mit dem Einschlag.

Etwa 80-100 Jahre alte Wälder werden mit Harvestern gerodet, aber nicht alle Bäume werden geschlagen, sondern einige werden wegen des Naturschutzes stehen gelassen. So entstehen keine Rodungswüsten, die für Vögel und andere Tiere keinen Lebensraum mehr bieten. Die dicken Teile der Bäume, es handelt sich hier im wesentlichen um Fichten, Kiefern und Birken, da so hoch im Norden nichts anderes wächst, finden als Furnierholz Verwendung. Die weiteren Teile werden fürs Sägewerk sortiert und nur die dünnen Teile enden als Zellstoff bzw. Pappe.

Die Abfallstoffe, wie Rinde oder Verschnitt, werden im Biomasse-Kraftwerk in Energie umgewandelt. Holmen ist bei der Entwicklung die Bioabfälle in Diesel umzuwandeln. Momentan wird für eine 3-Stellige Mio-Summe ein neues effizientes Kraftwerk gebaut. Am Ende – oder am Anfang steht das Aufforsten mit selbst gezüchteten Sprösslingen, die in 5 riesigen Gewächshäusern ihren Anfang nimmt. So sieht man eine Industrie im Einklang mit den riesigen Waldgebieten Nordschwedens. Natürlich ist der Karton und das gesamte Holz FSC-Zertifiziert.

Wenn man das alles einmal gesehen hat, braucht man auch kein schlechtes Gewissen, bei der Nutzung von Frischfaserkarton zu haben. Das Holz ist da und man sorgt dafür, dass es auch in Zukunft ausreichend Holz geben wird. Jeder geschlagene Baum muss wieder aufgeforstet werden und dazu noch 5% mehr! Daraus resultiert, dass mittlerweile nur noch 4% des gesamten Waldes in Schweden natürlicher Herkunft ist. Der Rest wurde durch den Menschen Aufgeforstet.

Der Recycling-Kreislauf braucht jedenfalls ständig frische Fasern, da jede Faser nur ca. 3x recycelt werden kann. Danach hat sie sich aufgelöst.

Zu erwähnen ist, das auch in Deutschland aufgeforstet wird. Allerdings die schwedische Systematik, alles aus einer Hand, war faszinierend zu beobachten.

Vielen Dank an die Firma Iggesund und Frau Heida!

– CK

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